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Traurige Nachricht aus dem ANW-Vorstand Hessen

Aktuelles - News und Berichte

Traurige Mitteilung aus dem ANW-Vorstand Hessen
Christian von Bethmann
Am 28. September ist Christian von Bethmann mit 63 Jahren nach kurzer Krankheit und für alle, die ihn kannten unfassbar, verstorben. Er hinterlässt mit seinen Ideen, seiner klugen Art, Freundlichkeit, Offenheit und Großzügigkeit im Vorstand, in der gesamten ANW Hessen und darüber hinaus eine spürbare Lücke. Wir nehmen von unserem Freund und Weggefährten Christian mit großer Trauer Abschied und werden seine Ideen bewahren und weiter durch die Zeit tragen.
Als Verfechter des Dauerwaldes in der eigenen "Lucius´schen Forstverwaltung" hat er mit Hingabe und der ihm eigenen unkonventionellen Herangehensweise die Ideen, die ihm als studierten Forstwissenschaftler vor rund 40 Jahren von Dr. Hasenkamp beratend angetragen wurden, für sich durch genaue Beobachtungen weiterentwickelt und praktiziert.
Auf Exkursionen kamen aus seiner Richtung oft überraschende Sichtweisen und Lösungsansätze aus einer im positiven Sinn radikalen Auffassung der Naturgemäßen Grundsätze. Nach dem Leitsatz "panta rhei - alles fließt" trat er vehement dafür ein, auch bei der Waldbewirtschaftung stärker prozessorientiert zu denken und zu arbeiten.
Insbesondere bei der Eiche war er der Überzeugung, dass bei ausreichender Bejagung ihre "Partisanenstrategie" mit Hilfe der Hähersaat ausreicht, um der Eiche auf lange Sicht vertretbare Anteile in unseren Wäldern zu sichern und konnte das in seinem Wald zeigen.
Der "Junkernwald", den Christian von Bethmann betreute, war Beispielsbetrieb für "Wald und Wild", weiterhin wurde dort eine Dauerbeobachtungsfläche nach AFI etabliert.
Christian von Bethmann war als Waldberater für etliche private und kommunale Betriebe tätig. Aus seiner Internetseite hier einige Auszüge, die seine Haltung zum Wald und sein Selbstverständnis von Naturgemäßer Waldwirtschaft trefflich wiedergeben:
"Leitgedanke einer naturnahen Bewirtschaftung ist, die Natur und ihre ihr eigene Dynamik und Kraft, sich bei Störungen des Waldgefüges als Waldökosystem zu erhalten und zu regenerieren (Resilienz), in das Bewirtschaftungskonzept so umfänglich als möglich einzubinden.
So viel Natur wie möglich, so wenig Kultur wie vertretbar!
Gleichzeitig soll bei ganzheitlicher und systemischer Betrachtung des Waldökosystems das Netzwerk der Artenvielfalt, die Biodiversität, auf ganzer Betriebsfläche beachtet werden. Die Berücksichtigung der Schutzfunktionen des Waldes wird damit zum Garant von Waldstrukturen, die gleichzeitig die Nutzungsoptionen erweitern.
Die Holznutzungen erfolgen als sogenannte Einzelbaumwirtschaft, bei der Bäume in Hinblick auf ihre individuellen Merkmale und Qualitäten begutachtet und Holznutzungen sehr selektiv durchgeführt werden. In den Störungszonen des Waldes, die durch die Holznutzung oder auch natürliche Zerfallsprozesse im Wald entstehen, und in denen das Tageslicht den Waldboden erreicht, entwickelt sich weitgehend ohne künstliche Eingriffe eine artenreiche Bodenvegetation aus Kräutern, Sträuchern und jungen Baumkeimlingen, die Naturverjüngung.
In der Forstwissenschaft wird diese Wirtschaftsweise, bei der auf einer definierten Fläche ein Kontinuum an Entstehen, Nutzen und auch natürlichem Vergehen zu beobachten ist, auch als "Dauerwald-Wirtschaft" bezeichnet. Im Englischen wird das Konzept mit den Begriffen "uneven age management" oder "close to nature management" bezeichnet.
Die konsequente Einbindung aller Entwicklungsstadien eines natürlichen Waldökosystems von den Pionierwaldstadien bis zur Zerfallsphase mit einzelnen natürlich absterbenden, teils weit über mehrere Jahrhunderte alten Bäumen ist Leitgedanke der naturnahen Waldwirtschaft. Die Integration dieser beiden Start- und Endpunkte der Waldentwicklungsphasen und partielle Nutzungs- und Eingriffsverzichte fördern die Entwicklung des Strukturreichtums und der Biodiversität von Waldökosystemen, auch wenn sie als Wirtschaftswald genutzt werden.
In Hinblick auf die Beachtung und Förderung der systemeigenen Prozesse des Waldökosystems spreche ich von einer "Prozesswirtschaft", bei der im Sinne des auf den griechischen Philosophen Heraklit zurückgeführten Satzes "panta rhei" (alles fließt) das Wirtschaften als ein Lenken der sich in Bewegung befindlichen Dinge verstanden wird.
Die sich aus dem Konzept der naturnahen Waldwirtschaft entwickelnden Waldstrukturen muten wie Naturwälder an. Naturnah strukturierte Wälder gewähren umfassend die Schutzfunktionen des Waldes im Sinne des Lebensraums und der existentiellen Daseinsvorsorge.
Nicht zuletzt sind es gerade die Dauerwaldstrukturen, die als wirtschaftliches Rückgrat die flexible Holznutzungsoption eröffnet. Der Dauerwald strebt eine größere Stabilität gegenüber Schadereignissen an, um damit eine zwangsweise Holzernte (Kalamitätsnutzung) auf ein Minimum zu reduzieren. Während homogene Altersklassenwälder Durchforstungsmaßnahmen und Pflegeeingriffe erfordern, sind im Dauerwald Baumfällungen möglich, ohne zwingend zu sein."

Info über Hintergrundpapier des Umweltbundesamtes (UBA)

Bundes-ANW-Tagung_2021

https://anw-deutschland.de/de/veranstaltungen/

=siehe auch Link bei Veranstaltungen=

!! Änderung der Jagdzeiten !!

Gemeinsame Pressemitteilung von

Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW), Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland LV
Hessen (BUND Hessen e.V.), Familienbetriebe Land- und Forst Hessen e.V., Hessischer Waldbesitzerverband
e.V., Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, Naturschutzbund Deutschland (NABU Hessen e.V.),
Ökologischer Jagdverband Hessen (ÖJV Hessen)

Wichtige Entscheidung für den Wald im Klimawandel
Verbände begrüßen die Vorverlegung der Jagdzeiten


Eine breite Allianz aus Interessensverbänden des Waldes, der Jagd und des Naturschutzes begrüßt die von der
Hessischen Umweltministerin Priska Hinz ermöglichte Vorverlegung der Jagdzeit auf Rehe, Rothirsche und
andere Schalenwildarten auf den 01. April. „Mit der vorverlegten Jagdzeit ist eine wichtige Voraussetzung für
den erfolgreichen Waldumbau geschaffen worden, den der Klimawandel durch die Dürre der letzten Jahre aus-
gelöst hat“, betonen Christian Raupach vom Hessischen Waldbesitzerverband und Jörg Nitsch der Vorsitzende
des BUND in Hessen gemeinsam im Namen der breiten Verbändeallianz und freuen sich über die schnelle Re-
aktion der schwarz-grünen Landesregierung.
Vorausgegangen war der Entscheidung ein Konsultationsprozess, in dem sich die Verbände für den früheren
Beginn der Jagdzeit eingesetzt hatten. Das Vorziehen der Jagdzeit vom 01. Mai auf den 01. April wurde erfor-
derlich, weil die Vegetation bedingt durch den Klimawandel im Frühjahr inzwischen drei Wochen früher aus-
treibt und damit die Jagd ab Mai erheblich erschwert.
Ein an die ökologischen Bedingungen angepasste Bejagung ist aktuell besonders wichtig, weil die Schalen-
wildbestände durch das klimabedingte Waldsterben zunehmen werden. Zunehmende Bestände beim Schalen-
wild führen aber zu einem erhöhten Wildverbiss bei jungen Bäumen, deren Aufwachsen auf den im letzten
Sommer entstandenen Waldschadensflächen besonders wichtig ist. Die Vorverlegung der Jagdzeit ist somit ei-
ne wichtige Hilfe bei der anstehenden Herausforderung, die vielen und großen Kahlflächen wieder zu bewal-
den. Das Ziel sind baumartenreiche Mischwälder, die die größten Chancen bieten, die Klimaveränderungen zu
überstehen. Die natürliche Aussaat der Bäume führt oftmals zu weitaus größerer Artenvielfalt als eine forstli-
che Pflanzung von Jungbäumen.
Mit dem Beginn der Jagdzeit am 1. April kann vor Beginn der Vegetationszeit auf Rehböcke und einjährige
weibliche Rehe sowie einjähriges Rot-, Dam- und Muffelwild gejagt werden. Die Jagdpächter*innen können
nun im Gespräch mit den Waldbesitzer*innen und in Abhängigkeit von der örtlichen Situation selbst entschei-
den, ob sie von der neuen Möglichkeit Gebrauch machen wollen. Generell ist vor allem das Rehwild im April
sehr aktiv und damit sicht- und bejagbar wie sonst im ganzen Jahr nicht. Die jagdlichen Erfolgsaussichten sind
daher ausgesprochen günstig. Alle Verbände empfehlen, die Phasen intensiver Wildbewegung in ihren Revie-
ren jagdlich konsequent zu nutzen und in Phasen geringer Wildbewegung sowie der intensiven Jungenaufzucht
dem Wild Ruhe zu gönnen. Dies können zum Beispiel die Monate Juni und Juli sein.
Damit verfolgt die Ministerin weiter konsequent die Umsetzung des 12-Punkte-Plans für den Wald, der es er-
möglichen soll, dass die stark geschädigten Wälder Hessens schnell und naturnah wieder aufwachsen können.

Hintergrundinformation:

Hessen ist bundesweite Spitze bei den Wildschäden im Wald. 2018 waren 3 % der Fichten und 0,8 % der Bu-
chen frisch geschält, 2012 laut Bundeswaldinventur 24,3 % der ungeschützten jungen Bäume (aller Baumar-
ten) verbissen.

Rückfragen beantworten

Christian Raupach | Hessischer Waldbesitzerverband e.V. | Tel.: 0172 7803829
Thomas Norgall | stellv. Geschäftsführer BUND Hessen | Tel.: 0170 2277238
Stephan Boschen | ÖJV und ANW | Tel.: 0172 9000 364
Pressestelle

Lynn Sophie Anders
069 677376 43

www.bund-hessen.de
BUND Landesverband Hessen e.V.
Geleitsstraße 14
60599 Frankfurt am Main

Exkursionen in diesem Jahr

Abschiedsexkursion Josef Kleinemenke

 

Aktuellster Mitgliederbrief

Dieser Brief wird allen ANW-Mitgliedern noch als Postsendung zugestellt.
 

Aktuellster Jahresbrief zum Download