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  NACHHALTIGKEIT
27.03.2013 von weisstanne







Ziele





 


 


 



Arbeitsgemeinschaft
Naturgemäße
Waldwirtschaft
www.anw-hessen.de



NACHHALTIGKEIT



als grundlegendes Konzept und Lernprozess



! Nachhaltigkeit Imperativ des
Lebens selbst



„“ Nachhaltigkeit durch Hans
Carl von Carlowitz 1713 erstmals


verbal verortet und ins Bewusstsein gehoben.



? Nachhaltigkeit Begriffe
inspirieren und entwickeln unser Denken.



300 Jahre Nachhaltigkeit:


Angesichts der globalen Probleme heute hat der Begriff


“Nachhaltigkeit“ gegen Ende des 20. Jh´s den Wald verlassen
und erfährt seither seine


Bewusstwerdung in allen Lebensbereichen. Der Focus liegt dabei
in den Themenfeldern


Energie, Wasser, Boden, Erhalt der Biodiversität,
Generationen- und soziale


Gerechtigkeit. Die berühmte „Brundtland-Formel“ (1987) betont
mit dem Begriff


„sustainable development“, der „nachhaltigen Entwicklung“, die
Lebendigkeit und die


Gestaltungsmöglichkeiten in den seit Rio (1992) bis heute
andauernden Folgeprozessen.



Nicht überraschend, aber immer
wieder neu zu bedenken: Die Basis unserer Existenz


hängt nicht vom verfügbaren Kapital, sondern von den
Ressourcen unserer einen Erde ab!


Deshalb ist das Prinzip der Nachhaltigkeit ein universelles
und nicht auf den Wald


beschränkt - obgleich der Wald eines der besten Lehrstücke
bietet für die


Erfahrbarkeit der komplexen Zusammenhänge und qualitativen
Ebenen der


Nachhaltigkeit und uns Menschen dafür einen Ort sinnlich
erfahrbarer Ruhe bietet.



Qualitativer Sprung: Bewahrung
statt Ausbeutung in Anerkennung eines Lebensprinzips!


Vermessung, Forsteinrichtung und forstliche Arithmetik führten
historisch zunächst in


den Altersklassenwald. Man strebte mit mechanistischem Denken
ein Verfahren analog


zu Agrarstrukturen an mit der Vorstellung von Maximierung,
Homogenisierung,


Standardisierung und Automatisierung von Anbau, Pflege und
Ernte.


Zur Wende 19./20. Jh. wurde im Wald auf bemerkenswerte Weise
das Verständnis von


Nachhaltigkeit verfeinert und veredelt und dabei ein Mehrwert
entwickelt auf einen


zunächst auf reine Massenproduktion ausgelegten Begriff.


Nach Karl Gayer und seinem Credo für den gemischten Wald
(1886) prägte Alfred


Möller (1922) durch seine im Tropenwald gemachten
Beobachtungen den Begriff des


„Waldwesens“ und die Auffassung des Waldes als „Organismus“ zu
einer Zeit, als der


Begriff „Ökosystem“ noch gar nicht existierte.


Aus dieser ganzheitlichen Sichtweise entstand seine Idee des
„Dauerwaldes“ und aus


der Dauerwald-Idee heraus folgte das Konzept der Naturgemäßen
Waldwirtschaft wie


sie seit 1950 in der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße
Waldwirtschaft (ANW) und


inzwischen europaweit praktiziert, diskutiert, untersucht und
weiterentwickelt wird.


Erst über dieses Konzept kommen wir zu einer zeitgemäßen und
umfassenden Nachhaltigkeit,


wie sie in allen ihren Aspekten konsequenterweise verstanden
werden muss!



Die Idee und Definition des Dauerwaldes
ist die Basis für die Grundsätze der


„Naturgemäßen Waldwirtschaft“. Ihr Grundgedanke ist die
ganzheitliche Betrachtung


des Waldes als dauerhaftes, vielgestaltiges und dynamisches
Ökosystem.


Der Dauerwald ist ein ungleichaltriger, gemischter und
möglichst mit hochwertigen


Vorräten bestockter, vertikal strukturierter und ökologisch
wertvoller Wald, in dem die


Selbststeuerungsprozesse der Natur genutzt und erhalten
werden.



Naturgemäße Waldwirtschaft
basiert auf der Überzeugung, dass sich der Mensch im


eigenen Interesse mit seinem Handeln in die ökologischen
Kreisläufe des Naturhaushalts


integrieren muss. Jedes Ausscheren aus der Dynamik
standörtlich angepasster


Ökosysteme birgt die Gefahr künftig eingeschränkter
Nutzungsoptionen und


unbeherrschbarer Umweltsituationen in der Gegenwart und für
folgende Generationen.


Naturgemäße Waldwirtschaft verkörpert die
Rückbesinnung
auf die Dynamik natürlicher


Waldökosysteme, die sich, standörtlich angepasst und im
ökologischen Gleichgewicht,


immer wieder aus sich selbst heraus regenerieren können.
Urwald ist nicht Ziel, er dient


aber als Vorbild hinsichtlich der Nutzung seiner Strukturen,
Selbststeuerungsprozesse


und Stabilität.



Die ökologische Stabilität
eines naturnahen Waldes sichert die Nachhaltigkeit einer


angepassten Nutzung zum Wohle des Menschen. Es ist der
Anspruch der Naturgemäßen


Waldwirtschaft, ein Bewirtschaftungskonzept zu verfolgen, das
möglichst umfassend


Ökologie und Ökonomie in ein nachhaltiges Gleichgewicht
bringt. Der Mensch hat


zunächst seine Ansprüche an den Wald und in Konsequenz seine
Eingriffe in den Wald


nach bestem Wissen auf ihre Auswirkungen zu überdenken.



Das Ziel naturgemäßer Waldwirtschaft
ist der Erhalt oder die Wiederherstellung von


Dauerwäldern, da nur das dauerhafte Waldgefüge alle Funktionen
des Waldes nachhaltig


gewährleisten kann.



Die Umsetzung erfolgt auf der
Basis von Grundsätzen, die in der praktischen Arbeit mit


Fachkompetenz, Ortskenntnis, Beobachtung und Engagement
verwirklicht werden.


Diese Tätigkeit findet im Wald immer mit dem Blick auf den
Einzelbaum und die


Einzelsituation statt, ohne dabei das Ganze aus den Augen zu
verlieren. Diese


Herausforderung bietet den Akteuren facettenreiche und immer
wieder neue


„Arbeitsräume“ unter Einbeziehung von Kreativität und
Gestaltungsmöglichkeiten - eine


Arbeit für Kopf, Herz und Hand!



Starke Ziele – Starke Wälder
! ANW !
Bewirtschaftung + Bewahrung



 


                




                                                             



 



EINFÜHRUNG



PRO SILVA ist ein Zusammenschluss naturnah denkender und handelnder
Forstleute in Europa, der 1989 in Slowenien gegründet wurde.


Auf der Grundlage eines umfassend konzipierten Nachhaltigkeitsbegriffes
präsentiert Ihnen PRO SILVA nachfolgend seine Positionen zu wichtigen Aspekten
der Waldwirtschaft und zu den aktuellen Verantwortlichkeiten der Waldbesitzer
und Forstleute.


Diese Texte beschreiben die allgemeine Grundlage verantwortungsbewusster
Walderhaltung, Waldpflege und Waldnutzung. Sie äuβern sich speziell zur
Erhaltung und Pflege der Biodiversität, zur Anpassung der Wälder an anthropogen
bedingte Veränderung der Standortsverhältnisse im Zusammenhang mit einer
ökologisch effizienten Nutzung der Energien, zu den Rahmenbedingungen für die
Verwendung von Exoten im Waldbau und zur ökologischen Rolle des Waldes im
Landschaftsgefüge.


Um ökologische und ökonomische Risiken zu minimieren, empfiehlt PRO SILVA in
der Waldwirtschaft eine weitgehende Anlehnung an natürliche Prozesse und
praktiziert sie in ihren exemplarischen Waldbetrieben (sogenannte
Beispielsbetriebe).


PRO SILVA ist der Auffassung, dass der Einstieg in eine ganzheitlich
begriffene Walderhaltung und in eine naturnahe Waldwirtschaft bei fast allen
Ausgangslagen und in allen Entwicklungsstadien verschiedenartiger
Wirtschaftswälder möglich ist. Angesichts der stark differierenden
Ausgangssituationen haben Walderhaltung, Schutz des Waldes und Waldnutzung eine
konservierende und pflegende sowie eine regenerierende und verbessernde
Komponente (Waldschutzgebiete; Abbau der schädlichen Folgen von Immissionen,
Waldweide und Streunutzung, kein exzessiver Austrag von Biomasse wie z.B.,
Ganzbaumnutzung oder Stockrodung; Neuaufbau von Wäldern; Korrektur der
Baumartenzusammensetzungen; Reduktion überhöhter Wildbestände u. a. m.).


PRO SILVA ist bei Einführung und Vervollkommnung naturnaher
Waldbehandlungs-strategien behilflich und beschreitet dazu verschiedene Wege:


• Gedankenaustausch innerhalb der europäischen Landesgruppen;


• Anlage und Weiterentwicklung von exemplarischen Waldbetrieben und
Demonstrationsflächen;


• Tagungen und Exkursionen in Beispielsbetrieben, die eine naturnahe
Waldwirtschaft betreiben;


• Zusammenarbeit mit Lehre, Forschung und anderen Partnern.


Die Positionspapiere sind aus zahlreichen Diskussionen zwischen Mitgliedern
des Verwaltungsrates von PRO SILVA Europa entstanden. Ihr Ziel ist es, einen 5


Beitrag zur Verbesserung aller gesellschaftlich wichtigen Funktionen des
Waldes jetzt und in der Zukunft zu leisten.6



PRO SILVA GRUNDSÄTZE



Allgemeine Grundsätze:



Waldwirtschaft nach den Grundsätzen von PRO SILVA ist eine Strategie, welche
die Erhaltung, den Schutz und die Bewirtschaftung der Waldökosysteme so
optimiert, dass die Wälder Europas ihre zahlreichen sozio-ökonomischen
Leistungen dauerhaft und rentabel erfüllen können. Damit bekennt sich PRO SILVA
zu einer ganzheitlichen Betrachtung und Steuerung des Waldökosystems unter
Einschluss wirtschaftlicher und nichtwirtschaftlicher Zielsetzungen.


Im Sinne einer alle Funktionen umfassenden Nachhaltigkeit ist PRO SILVA der
Auffassung, dass die Wälder Europas vier Hauptfunktionen erfüllen:


1. die Naturfunktion;


2. die Schutzfunktion;


3. die Produktionsfunktion;


4. die Kulturfunktion.



1. Naturfunktion (Funktionsfähigkeit des Waldökosystems)



Die Gewährleistung der Naturfunktion ist unverzichtbare Voraussetzung für die
Schutz-, Produktions- und Kulturfunktion der Wälder. Wie immer die menschliche
Gesellschaft Zweckbestimmungen des Waldes definiert: Die Existenzfähigkeit und
das Zusammenwirken aller Lebensformen im Ökosystem Wald sind Grundlage aller
folgenden Funktionen. Die Erhaltung und ggf. Wiederherstellung der Naturfunktion
ist daher vorrangiges Gebot.



Elemente der Funktionsfähigkeit von Waldökosystemen sind:


• Die standorts- und regionaltypische Vielfalt von Pflanzen und Tieren (Artdiversität);


• Die genetische Vielfalt und Qualität, welche die Potenz zu evolutiver
genetischer Veränderung erhält und - mit der spezifischen Diversität der PRO
SILVA Wälder – die relative beste Anpassung an mögliche nachteilige Folgen von
Klimaänderungen garantiert;


• Die standorts- und regionaltypischen, variablen Waldstrukturen (Strukturdiversität);


• Die Funktionsfähigkeit ökologischer Prozesse (natürliche bzw. naturnahe
Walddynamik);


• Die ökologischen Zwischenbeziehungen (Vernetzung);


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• Die ökologischen Rückwirkungen des Waldes auf die Umwelt (Weltklima,
Regional- und Lokalklima, Rückwirkungen auf die umgebenden Landschaftsteile);


• Die Erhaltung der natürlichen Fruchtbarkeit der Böden dank Zersetzung der
abgestorbenen Biomasse.


PRO SILVA empfiehlt folgende wesentliche
Mittel zur
Gewährleistung der Funktionsfähigkeit von Waldökosystemen:


• Starke Berücksichtigung, d. h. Erhaltung oder Wiederherstellung der
jeweiligen natürlichen klima- und bodenabhängigen Waldvegetationsmuster bei der
Waldbewirtschaftung;


• Erhaltung der Bodenproduktivität durch dauerhafte Überschirmung und
Belassen von Biomasse im Wald (Alt- und Totholz);


• Gezielte Förderung von Mischbaumarten im bewirtschafteten Wald unter
besonderer Berücksichtigung seltener und gefährdeter Baumarten;


• Bei der Bewirtschaftung des Waldes Verwendung ökologisch geeigneter, nicht
standortsheimischer Baumarten nur dann, wenn sie sich in heimische
Vegetationsmuster einbetten (mischen) lassen und wenn bestimmte quantitative
Anteile insgesamt nicht überschritten werden;


• In bestimmten Fällen Nutzungsverzicht.


Die genannten Elemente der Funktionsfähigkeit von Waldökosystemen stehen in
Übereinstimmung mit den Aussagen zur Biodiversität der Konferenz von Rio 1992.


Die Schutz-, Produktions- und Kulturfunktion der Wälder ordnen sich ein in
die Naturfunktion. Sie sind - jede für sich - bedeutsam für die menschliche
Gesellschaft.



2. Schutzfunktion



Wesentliche
Elemente
der Schutzfunktion sind:


• Schutz oder Wiederherstellung der natürlichen Bodenkraft und
Bodenstrukturen (Bodenschutz);


• Schutz natürlicher Waldgesellschaften (Biotopschutz);


• Schutz standortstypischer und seltener (bedrohter) Arten (Artenschutz);


• Schutz vor Bodenabtrag (Erosionsschutz);


• Schutz und Reinigung des Bodenwassers (Wasserschutz);


• Schutz bzw. Verbesserung des Waldklimas und seiner Wirkungen auf umgebende
Landschaften (lokaler und regionaler Klimaschutz);


• Erhaltung oder Verbesserung der Kohlenstoffspeicherung (Weltklimaschutz);
Der PRO SILVA Wald erbringt proportional höhere Anteile an Starkholz hoher
Qualität. Dessen Weiterverarbeitung zu langlebigen Holzprodukten für


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Dachstühle, Innenausbau, Fussböden, Möbel etc. ermöglicht, den
Kohlenstoffkreislauf erheblich zu verlängern wie auch durch Substitution
energielastiger anderer Bauprodukte Energie einzusparen.


• Darüber hinaus führt die dauerhafte Überschirmung des Bodens zu
ausgewogener Mineralisierung der Humusstoffe und damit zu vermindertem Ausstoβ
von CO
2
;


• Schutz bzw. Verbesserung der Luftqualität (Emissionsschutz);


• Schutz vor übermäßiger Lärmbelästigung (Lärmschutz);


• Ausgleich optisch störender Eingriffe in die Landschaft (Sichtschutz).


Die meisten Elemente der Schutzfunktion sind gleichzeitig integraler
Bestandteil der Naturfunktion der Waldökosysteme und können nicht losgelöst von
dieser betrachtet und verwirklicht werden.


PRO SILVA betrachtet folgende
Mittel zur
Gewährleistung der Schutzfunktion als wesentlich:


• Berücksichtigung der verschiedenen Elemente der Schutzfunktion bei der
ganzheitlichen Waldbewirtschaftung durch dauerhafte Waldbedeckung;


• Betonung bestimmter Naturschutzfunktionen (Bodenschutz, Biotopschutz,
Artenschutz) durch bestimmte Nutzungsvorgaben bzw. Nutzungsbeschränkungen in der
ordnungsgemäβen Bewirtschaftung (z. B. Verzicht auf Anbau nicht
standortsheimischer Baumarten, Verzicht auf Düngung, Vorschriften für die
Hiebsführung, Bodenentwässerung u. a. m.);


• Die Ausweisung eines Netzes von Waldschutzgebieten verschiedener
Bindungswirkung bis hin zu Reservaten mit Nutzungsverzicht, bezogen auf größere
Wuchsräume;


• Betonung besonderer einzelner Schutzfunktionen (Erosionsschutz,
Wasserschutz, Klimaschutz, Emissionsschutz, Lärmschutz, Sichtschutz) durch
bestimmte, dem Schutzzweck dienende Strategien der Waldbewirtschaftung.



3. Produktionsfunktion



PRO SILVA betrachtet die nachhaltige Funktionsfähigkeit der Waldökosysteme
(Naturfunktion) auch als Grundlage und Voraussetzung der ökonomischen
Nachhaltigkeit im Wirtschaftswald. Gleichzeitig ist im Sinne einer umfassend
definierten Nachhaltigkeit eine gleichmäβige und optimale Produktionsfunktion
nur möglich, wenn auch die Erfüllung der Schutzfunktion gewährleistet bleibt.
Das schlieβt Produktionsstrategien aus, welche die Schutzfunktion
unberücksichtigt lassen.


PRO SILVA bekennt sich zur Bewirtschaftung des Waldes und zur Nutzung des
nach- wachsenden Rohstoffes Holz.34


Bei Beachtung der allgemeinen Nachhaltigkeitsgrundsätze sind wesentliche
Elemente der
Produktionsfunktion:


• Erhaltung der Bodenkraft;


• Sicherung der Kontinuität der Waldnatur und der Holzproduktion;


• Erhaltung der natürlichen Energie- und Stoffkreisläufe.


Als Mittel
eines naturnahen Waldbaus empfiehlt PRO SILVA:


• Dauerhafte Waldbedeckung zum Schutz der Bodenproduktivität;


• Weitgehende Ausnutzung originärer walddynamischer Prozesse;


• Wertholzproduktion durch Auslese und Pflege in allen Entwicklungsphasen des
Waldes;


• Vorratshaltung auf optimalem Niveau;


• Streben nach Gleichgewicht von Zuwachs und Nutzung auf möglichst kleinen
Flächen;


• Verringerung des Produktions- und Ertragsrisikos durch Verselbständigung
von Einzelstämmen und Baumgruppen;


• Beachtung der Funktion jedes Einzelbaumes bei der Waldpflege und Ernte;


• Vermeidung von Kahlschlägen und sonstigen aussetzenden Nutzungsformen;


• Abschaffung des Begriffs der Umtriebszeit als Maß für den Erntezeitpunkt
von Beständen;


• Vorrang der Waldpflege vor der Waldverjüngung;


• Ständige Walderneuerung als integraler Bestandteil der Waldpflege und aus
dieser hervorgehend;


• Selbsttätige Walderneuerung und Bestandesentwicklung durch moderate
einzelstamm- oder gruppenweise Nutzung mit langen Verjüngungszeiträumen:


• Erziehung von Naturverjüngung,


• Ausnutzung natürlicher Stammzahlreduktionen bei der Waldpflege (Läuterung
und Durchforstung durch sogenannte Naturautomation oder Biorationalisierung);


• Bevorzugung schonender Erntemethoden zur Vermeidung von Schäden an Boden
und Bestand;


• Schonender Maschineneinsatz in Anpassung an die Waldstrukturen des
naturnahen Waldbaus;


• Minimierung des Einsatzes ökosystemfremder Stoffe (Dünger und
Pflanzenschutzmittel), im wesentlichen zur Erhaltung oder Wiederherstellung der
natürlichen Boden- und Bestandesproduktivität;


• Herstellung biotopangepasster Wilddichten.


Pro SILVA ist überzeugt, dass eine Betriebsführung mit den vorgenannten
Mitteln zu optimierten wirtschaftlichen Ergebnissen führt, weil


• der höhere Anteil an Starkholz guter Qualität im Vergleich zu anderen
Wirtschaftsformen sowie der deutlich kleinere Anteil an nutzungstechnisch


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teurem Schwachholz spürbar erhöhte durchschnittliche Erlöse aus dem
Holzverkauf liefert;


• generelle Naturverjüngung (gute Qualität des Mutterbestandes vorausgesetzt)
sowie Differenzierung und Qualifizierung des Nachwuchses unter dem Schirm der
Altgeneration und der Einfluss des günstigen Waldinnenklimas Pflegeeingriffe
vermindern;


• Mischung, Struktur und gute Bekronung die Stabilität erhöhen, was
Sturmschäden und deren Folgen (Reparaturkosten, Überangebot, Preisverfall)
vermindert und damit den Bedürfnissen der Eigentümer entgegenkommt;


• die ausgezeichnete Resilienz eine natürliche Wiederherstellung ohne
kostspielige Maβnahmen erlaubt.


Die Konsequenzen dieser günstigen Faktorenkonstellation erhöhen die
finanzielle Rentabilität pro Flächeneinheit und Zeiteinheit.



4. Kulturfunktion



PRO SILVA erkennt die wachsende Bedeutung des Waldes für das physische und
psychische Wohlbefinden der Menschen, insbesondere in dicht besiedelten Ländern
Europas, an.


Wesentliche
Elemente
der Kulturfunktion des Waldes sind:


• Eignung des Waldes für ruhige, naturverträgliche Formen der physischen und
psychischen Erholung der Menschen;


• Eignung des Waldes als Bestandteil der traditionellen psychologischen
Verbundenheit des Menschen mit dem Wald und der Natur (Wald der Geheimnisse, der
Sagen und Märchen; geschichtliche Verbundenheit mit dem Wald);


• Eignung des Waldes zur Bewahrung eines Teils der kulturellen Tradition
(Wald als Gegenstand der Kunst: Malerei, Dichtung, Musik).


PRO SILVA empfiehlt folgende
Mittel zur
Gestaltung des Waldes für die Kulturfunktion:


• Bevorzugte Förderung ruhiger Formen der Erholung durch ein entsprechendes
Angebot an Wanderwegen und anderen Erholungseinrichtungen;


• Soweit nötig, Konzentration von Erholungsangeboten und Einrichtungen in
bestimmten Waldteilen;


• Ruhigstellung von Waldbereichen als Raum für sinnliche Erfahrungen (Raum
zur Besinnung, zum Nachdenken, Träumen, zum Einfühlen in die Natur);


• Förderung schöner Baumgestalten und anderer optischer Reize für das
menschliche Auge (farbliche Abwechslung von Blättern, Blüten und Früchten bei
Bäumen, Sträuchern, Kräutern usw.);


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• Erhaltung und Schaffung schöner Waldbilder durch abwechslungsreiche
Waldstrukturen;


• Erhaltung unberührter Waldflächen, wo der Mensch der Natur ihren Lauf
lässt;


• Erhaltung von einzelnen Bäumen und Baumkollektiven mit besonderen Merkmalen
(Habitus, Höhe, Durchmesser, Alter)


• Erhaltung von Waldwiesen, schönen Waldtälern, Felspartien, Wasserflächen,
Ausblicken usw.


PRO SILVA ist der Auffassung, dass die Kulturfunktion in der Regel durch
einen naturnahen Waldbau gleichzeitig miterfüllt wird und nur in besonderen
Fällen zusätzlicher Gestaltungsmaβnahmen bedarf.


Die Berücksichtigung der Kulturfunktion in der Waldbewirtschaftung kann eine
Hilfe sein, um ein Gegengewicht zu den Lebensbedingungen des modernen Menschen
in einer zunehmend urban und technisch geprägten Zivilisation zu schaffen.



PRO SILVA UND BIODIVERSITÄT



Eines der wesentlichen Ziele der Forstwirtschaft nach PRO SILVA-Grundsätzen
ist die Erhaltung und Förderung aller Werte des Waldes, sowohl der auf die
menschliche Gesellschaft bezogenen als auch der natürlichen Eigenwerte des
Waldes. Dazu gehört das gesamte Spektrum aller in den Waldökosystemen
vorkommenden Lebensformen und Organismen.


Die verschiedenen Organismen und Lebensformen sind gebunden an verschiedene
Entwicklungs- und Sukzessionsphasen des Waldes, zu denen auch Alterungs- und
Zerfallsphasen, offene Plätze im Wald, Still- und Fließgewässer und anderes mehr
gehören. Die Gesamtheit aller in einem bestimmten Waldökosystem lebenden
Organismen ist Ausdruck seiner spezifischen Artdiversität, welche Teil der
umfassender definierten Biodiversität ist. Ein heterogener und regelmäßig
genutzter Wald erfüllt die Anforderungen an Biodiversität besser als ein sich
selbst überlassenes Waldreservat, zumindest per Flächen- und Zeiteinheit.


Die Artdiversität umfasst sowohl jene höheren und niederen Pflanzen- und
Tierarten, die für den Menschen einen kommerziellen oder allgemeinen
gesellschaftlichen Nutzen haben, als auch alle jene Arten, bei denen dies nicht
der Fall ist.37


Der Erhaltung der Artdiversität als Teil der allgemeinen Biodiversität wird
ein grundsätzlicher, mit dem Menschen und seinen Bedürfnissen nicht unmittelbar
verknüpfter Eigenwert beigemessen.


Die Erhaltung der Artdiversität hat neben ihrem Eigenwert eine hohe
funktionelle Bedeutung bei der Nutzung der Waldökosysteme für gesellschaftliche
Bedürfnisse. Dazu zählen neben der traditionellen Holznutzung auch zahlreiche
andere Produkte, die unter Umständen noch keinen aktuellen, aber für die Zukunft
potentiellen Marktwert haben.


Die Erhaltung einer hohen Biodiversität dient allgemein der Verminderung
ökologischer und ökonomischer Risiken. Die mit ihr verbundene Besiedlung aller
ökologischen Nischen ist die beste Prävention gegen das Eindringen invasiver
nicht-heimischer Arten.



Umsetzungsmöglichkeiten



Dem Forstmann sind zur Erhaltung und Förderung einer hohen Artdiversität
folgende Mittel an die Hand gegeben:


• Förderung des einheimischen Baumartenspektrums, weil zahlreiche Pflanzen-
und Tierarten damit in koevolutiver Entwicklung vernetzt sind;


• Erhöhung der Strukturdiversität bei Walderneuerung, Waldpflege und
Holzernte als Vorraussetzung einer dichten Nischenanordnung in Raum und Zeit;


• Belassen von stehendem und liegendem Totholz, Altholz, Höhlen- und
Horstbäumen in ausreichender Anzahl und Verteilung;


• Schutz von Sonderbiotopen im Wald (Feuchtbiotope, Felspartien, Dünen,
Saumbiotope u.a.m.);


• Regulierung von ökosystemwidrig hohen Wildständen sowie von Populationen
sonstiger Konsumenten, welche die Ressourcen des Waldes flächenweise einseitig
übernutzen. Wiedereinbringung von ausgerotteten Prädatoren.


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Strategien



Forstwirtschaft nach den Waldbehandlungsprinzipien von PRO SILVA dient der
Biodiversität im allgemeinen und der Artdiversität im besonderen.


Der Schutz und die Pflege der Biodiversität im Walde sind neben allen
Wirtschaftsplanungen integraler Bestandteil forstlicher planerischer Projektion.
Sie ist gezielt zu entwickeln und in der mittelfristigen forstlichen Planung
(Forsteinrichtung, Betriebsregelung) am Objekt zu konkretisieren.



ZUR FRAGE DES ANBAUS FREMLÄNDISCHER BAUMARTEN


1. Grundsätze



1.1 Das im Verlauf der postglazialen Wiederbesiedlung Europas mit Wald
entstandene Vegetationsmuster der verschiedenen Waldregionen stellt
grundsätzlich ein zu erhaltendes Naturgut dar. Es sollte daher von der
ertragsorientierten Forstwirtschaft als die wichtigste Basis aller waldbaulichen
Maßnahmen akzeptiert werden.


1.2 Fremdländische Baumarten können unter bestimmten Umständen das
einheimische Vegetationsmuster anreichern und den forstwirtschaftlichen Ertrag
erhöhen.


Als fremdländische Baumarten sind alle Baumarten anzusehen, die der
jeweiligen natürlichen Waldgesellschaft bislang nicht angehört haben und aus
weiter entfernten Regionen eingebürgert wurden.


Ihre Verwendung im Waldbau darf nur nach sorgfältiger, kritischer Prüfung
erfolgen. Diese Prüfung beinhaltet qualitative und quantitative Aspekte.



2. Ausgangsbedingungen



2.1 Intakte Naturwälder:


In Waldgebieten mit noch natürlicher oder naturnaher Baumartenzusamme-
nsetzung und gutem Holzertragspotential besteht kein Anlass zum Anbau
fremdländischer Baumarten.39


2.2 Waldregionen mit mangelhafter Naturausstattung:


In bestimmten Waldregionen Europas, in denen die postglaziale Rückwanderung
der Baumarten nicht beendet werden konnte, deren Baumarteninventar daher im
Vergleich mit den klimatischen und standörtlichen Möglichkeiten artenarm ist und
vielleicht nur geringen forstlichen Ertrag bringt, können fremdländische
Baumarten eine wertvolle Bereicherung darstellen.


2.3 Anthropogen veränderte Wälder;


Im Waldregionen, in denen durch historische Einflüsse die genetische Fitness
der Baumarten beeinträchtigt ist und deren Böden durch menschliche Maβnahmen
geschädigt sind, kann, sofern für diese Standorte keine besseren Baumarten zur
Verfügung stehen und auch die natürliche Sukzession nicht hilfreich ist, eine
Einbringung nicht heimischer Baumarten zu einer Konsolidierung der Wälder
beitragen (Hilfsbaumarten, z. T. mit Pionierfunktionen).


2.4 Ödland:


Auf total verwüsteten und entwaldeten Flächen ohne Waldklima können
fremdländische Baumarten unentbehrliche Pionierfunktionen erfüllen, sofern für
diese Standorte keine besseren Baumarten zur Verfügung stehen oder auf der
Freifläche noch nicht wieder angebaut werden können und auch die natürliche
Sukzession nicht hilfreich ist.



3. Probleme



3.1 Nischenexpansion:


Bestimmte fremdländische Baumarten vollziehen eine Okkupation bislang nicht
ausgefüllter ökologischer Nischen und besetzen diese durch eine Invasion
dauerhaft zu Lasten der einheimischen Vegetation.


3.2 Standortverschlechterung:


Manche fremdländischen Baumarten verschlechtern die Standortskraft der Böden
durch schlechte Streuzersetzung, Versauerung und mangelhafte
Bodenerschließung.40


3.3 Krankheitsverbreitung:


Mit der Einbringung fremdländischer Baumarten in die vorhandene Vegetation
besteht unter Umständen die Gefahr einer Einschleppung pathogener Organismen,
die die einheimische Vegetation beeinträchtigen.


3.4 Krankheitsbefall:


Manche fremdländischen Baumarten unterliegen einem Befall durch pathogene
Organismen der einheimischen Ökosysteme oder sind auf andere Weise gefährdet.


3.5 Mangelhafte Vernetzung:


Fremdländische Baumarten lassen sich u.U. in heimische Ökosysteme nicht
einpassen. Sie lassen sich mit einheimischen Arten nicht mischen, lassen
heimische Bodenvegetation nicht aufkommen und werden von Tieren der
einheimischen Fauna gemieden.


3.6 Unfähigkeit zur Selbsterneuerung:


Manche fremdländischen Baumarten sind nicht fähig oder nicht in ausreichendem
Maße in der Lage, sich über Naturverjüngung selbst zu erneuern, und bedürfen
daher permanenter künstlicher Pflanzungsmaßnahmen.



4. Anbaubedingungen



4.1 In jeder Waldregion sollen ökologisch wirksame Anteile der einheimischen
Waldgesellschaften erhalten oder wieder verwirklicht werden. Das schließt einen
ausschlieβlichen oder auch nur vorrangigen Anbau fremdländischer Baumarten in
der Groβregion aus.


4.2 Die eingebürgerte Art darf in ihrer Naturverjüngung und in ihrem
Konkurrenzverhalten nicht so aggressiv sein, dass sie einheimische Baumarten
verdrängt und sonstige Vegetation ausschließt.


4.3 Die eingebürgerte Art muss dem Klima und den Standorten der Region
angepasst sein. Sie darf die Böden nicht verschlechtern. Ihre Streu soll leicht
zersetzbar sein. Der Streuabbau und die Mineralisierung müssen durch Tiere,
Mikroorganismen und Pilze einheimischer Arten geleistet werden.


4.4 Die eingebürgerte Art darf keine Krankheiten verbreiten oder zu sonstigen
Labilisierungen der Ökosysteme beitragen.41


4.5 Die eingebürgerte Art selbst darf über ein Normalmaβ hinaus nicht durch
abiotische und biotische Risiken bedroht sein


4.6 Die eingebürgerte Art sollte in bescheidener Weise in einheimische
Vegetation eingebettet werden. Sie muss deshalb mischbar sein, sich mit der
sonstigen einheimischen Flora ökologisch in Waldgesellschaften verbinden und sie
darf einheimische Fauna nicht ausschlieβen.


4.7 Die eingebürgerte Art sollte über Naturverjüngung gemeinsam mit
einheimischen Arten erneuerbar sein.



PRO SILVA-WALDWIRTSCHAFT IN DER LANDSCHAFTSPFLEGE



PRO SILVA betrachtet das Waldökosystem als den wichtigsten organischen und
natürlichen Bestandteil einer Landschaft. Eine ganzheitliche Betrachtung des
Waldökosystems und der umgebenden Landschaft ermöglicht es der PRO
SILVA-Waldwirtschaft, den pfleglichen Einfluss des Waldes auf die ganze
Landschaft, d.h. auf ein Mosaik verschiedener Ökosysteme wirken zu lassen.


Dieser Grundgedanke eines pflegenden Einflusses des Waldes auf die umgebende
Landschaft beruht auf der Tatsache, dass in Europa einst der Wald das meiste
Land bedeckte, und die Wälder damit Träger fast allen Lebens waren. In unseren
heute teilweise entwaldeten Landschaften muss der verbleibende Wald die Funktion
des gerodeten Waldes so gut wie möglich übernehmen.


Eine entsprechend orientierte Waldpflege ist deshalb für die Landschaft in
ihrer Gesamtheit äuβerst wichtig. Das heißt: Die Waldpflege ist der Grundpfeiler
der Waldbetreuung und -Bewirtschaftung. Sie beruht ihrerseits auf einer
ganzheitlichen Betrachtungsweise und daraus hergeleiteten Handlungen - wirkt
also vom Baum auf den Bestand, vom Bestand auf den Standort, dergestalt auf den
gesamten Wald als Ökosystem und von diesem auf die Landschaft in ihrer
Gesamtheit, zu welcher auch der Mensch gehört.


Unter Waldpflege im Einzelnen versteht man die Ausnutzung der zur Verfügung
stehenden Energie und ihre Lenkung in der Lebewelt des Waldes auf jene
Kompartimente des Waldökosystems, welche uns die zielorientierte Stärkung der
Waldfunktionen gewährleisten.


Ein multifunktionaler Wald (als
d a s Gebot der PRO
SILVA-Waldwirtschaft), mit multifunktionaler Zielrichtung gepflegt,
gewährleistet gleichzeitig auch die Landschaftspflege im Ganzen bzw. wesentliche
ihrer Funktionen. Eine solche Waldpflege beeinflusst in der gesamten Landschaft
in günstiger Weise den 42


Energiehaushalt, den Wasserhaushalt, sie wirkt entropieverbessernd, trägt
entscheidend zur Erhaltung der natürlichen Fruchtbarkeit bei und hat eine
lebensschützende und -pflegende Wirkung.


Ein PRO SILVA Wald, also ein relativ vorratsreicher, mit standortsgerechten
Baumarten dauerhaft reich strukturierter (grundsätzlich punktuell genutzter)
Wald ist in seinem Inneren durch den Waldrand gegen Auβeneinflüsse nicht der
Natur entsprechender "Fremdkörper" der Landschaft (z.B. Agrarland) geschützt und
abgegrenzt. Solche Waldsäume werden ebenfalls durch vorsichtige Waldpflege
verbessert. Ähnliche Funktionen ergeben sich entlang von Gewässern, wo der
Waldsaum auch eine besondere Pflege verlangt. Ebenso wichtig ist die Pflege der
Höhengürtel im Gebirge, welche den Übergang zwischen verschiedenen
Waldökosystemen bilden und zugleich Übergangszonen der Tierwelt darstellen.


Durch ganzheitliche Waldpflege werden die Reste des Waldes, wie z.B. Waldins-
eln, Waldgürtel oder Einzelbäume im naturfernen Gefüge der Kulturlandschaft
gestärkt. Diese Waldreste verbinden die Waldökosysteme innerhalb der Landschaft
und schwächen dadurch die nachteiligen Wirkungen veränderter Kulturland-
schaftenab.43



 



 


 



 


Ziele
der ANW-Hessen


Naturgemäße Waldwirtschaft in Hessen



Naturgemäße Waldwirtschaft basiert auf der Überzeugung, daß sich der Mensch im eigenen Interesse mit seinem Handeln in die ökologischen Kreisläufe des Naturhaushaltes integrieren muß. Jedes Ausscheren aus der Dynamik standörtlich angepaßter Ökosysteme birgt die Gefahr künftig eingeschränkter Nutzungsoptionen und unbeherrschbarer Umweltsituationen in der Gegenwart und für folgende Generationen.

Vier grundsätzliche Prinzipien, die als Prüfsteine gelten mögen, werden mit dieser Idee verfolgt:




Das Prinzip der:



Nachhaltigkeit und Stetigkeit

Schirmhaltung und Strukturierung

Einzelbaumweise Wirtschaft und Waldpflege

Mischung und Anreicherung




Da die Naturgemäße Waldwirtschaft nicht aus der Bewirtschaftung von Naturwäldern, sondern aus Kulturwäldern oder Forsten hervorgeht, verkörpert sie die Rückbesinnung auf die Dynamik natürlicher Waldökosysteme, die sich, standörtlich
angepasst und im ökologischen Gleichgewicht, immer wieder aus sich heraus regenerieren können. Der Urwald ist nicht das Ziel, er dient uns aber als Vorbild hinsichtlich der Nutzung seiner Strukturen, Selbststeuerungsprozesse und Stabilität.

Die ökologische Stabilität eines naturnahen Waldes sichert die Nachhaltigkeit einer
angepassten Nutzung zum Wohle des Menschen. Es ist der Anspruch der Naturgemäßen Waldwirtschaft, ein Bewirtschaftungskonzept zu verfolgen, das möglichst umfassend Ökologie und Ökonomie in ein nachhaltiges Gleichgewicht bringt. Der Mensch hat zunächst seine Ansprüche an den Wald und in Konsequenz seine Eingriffe in den Wald nach bestem Wissen auf ihre Auswirkungen hin zu überdenken.

 Das Ziel naturgemäßer Waldwirtschaft ist der Erhalt oder die Wiederherstellung von Dauerwäldern, da nur das dauerhafte Waldgefüge alle Funktionen des Waldes nachhaltig gewährleistet. Der Dauerwald ist ein ungleichaltriger, gemischter und mit möglichst hochwertigen Vorräten bestockter, vertikal strukturierter und ökologisch wertvoller Wald, in dem die Selbststeuerungsprozesse der Natur genutzt und erhalten werden.

 Der Grundgedanke Naturgemäßer Waldwirtschaft ist die ganzheitliche Betrachtung des Waldes als dauerhaftes, vielgestaltiges und dynamisches Ökosystem.

Diese Wirtschaftsweise versucht sich den natürlichen Prozessen anzupassen - nicht umgekehrt - deshalb wird sie als naturgemäß bezeichnet.












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